Foto: Gonzalo Garcia von dieschulschachprofis.ch

Erfreut konnten wir in den letzten Monaten einen Aufschwung des Schachspiels in der Schweiz feststellen. Das Medieninteresse am königlichen Spiel scheint von Jahr zu Jahr grösser zu werden. Die Berichte in der Printausgabe von «20 Minuten» oder dem «Tagesanzeiger» sowie die TV-Auftritte von Gohar Tamrazyan bei «Schweiz Aktuell» und «Aeschbacher» sind nur einige Beispiele.

In dieser neuen Blogserie widmen wir uns ausführlich dem Thema «Schach in der Schule». Als grösster Schweizer Schachshop zählen dutzende Schulen zu unseren treuen Kunden. Diese Artikelreihe ist ein praktischer Leitfaden für Lehrer aber auch Schachtrainer und vermittelt wertvolle Tipps, wie das Schachspiel an Schulen unterrichtet werden kann.

Ursprünglich war lediglich ein Blogbeitrag zu diesem Thema geplant. Während der Recherchearbeit bzw. dem Brainstorming sollte sich dieses Unterfangens allerdings als hoffnungslos herausstellen. Die Anforderungen an «Schach in der Schule» sind vielseitig, und die Perspektiven von Lehrer bzw. Schachtrainern unterschiedlich. Deshalb besteht der Leitfaden aus sechs Teilen:

  1. Schach in der Schule
  2. Positive Faktoren des Schachspiels
  3. Formen und Zielsetzung des Schachunterrichtes
  4. Anforderungen an die Lehrperson
  5. Die Praxis
  6. Schachmaterial für Schulen

Das traditionsreiche Brettspiel fasziniert mit seinen schier unendlichen Möglichkeiten Kinder und Erwachsene auf der ganzen Welt. Auf höchstem Level ist Schach ein Spiel mit beinahe unlimitierter Komplexität und Tiefe. Das schöne am Schach ist jedoch, dass Spieler aller Niveaus die Überraschungen und die Herausforderungen wahrnehmen können. Je mehr Partien man bestreitet bzw. je mehr man über das Spiel lernt, desto stärker wird man in seinen Bann gezogen.

Armenien als Paradebeispiel

In manchen Ländern wie beispielsweise Armenien oder der Türkei wurde das Schachspiel längst als sinnvolle Lebensausbildung entdeckt. Im nächsten Blogbeitrag werden wir detaillierter auf die Vorteile des Schachspieles in der Schule eingehen. An dieser Stelle soll ein Zitat eines armenischen Mädchens genügen:

«Ich finde Schach toll, weil es den Verstand trainiert. Auf diese Weise werden wir sehr klug.»

Eltern tendieren dazu, ihren Kindern Hobbys nahezulegen, welche Sie selbst ausüben bzw. beherrschen. Wir sind nunmal «Gewohnheitsmenschen» und scheuen uns eher vor dem Unbekannten. Anders lässt sich kaum erklären, weshalb in Europa zum Beispiel «American Football» so wenig Beachtung findet, während dem es in den USA von so vielen Kindern geliebt wird.

Beim Schachspiel ist das interessanterweise etwas anders. Fast alle Eltern erfreuen sich, wenn ihr Kind das Spiel der Könige ausübt. Dies ist unabhängig davon, ob sie selbst spielen oder nicht. Ohne die eigentlichen Elemente zu kennen, scheinen viele Menschen eine grosse Bewunderung aber auch Respekt gegenüber dem Schach zu besitzen. Das sind eigentlich ideale Voraussetzungen um dieses Spiel in unserer Gesellschaft noch populärer zu machen.

Wie sieht es in der Schweiz aus?

In der Schweiz konnte sich das Schulschach trotzdem noch nicht wie in anderen Ländern etablieren, wo es fest zum Stundenplan an öffentlichen Schulen gehört. Projekte respektive Erfolge sind in der Regel auf engagierte Einzelpersonen in Form von Lehrern oder Schachtrainern zurückzuführen. Mit den Schulschachprofis ist erstmals ein schweizweites Projekt zur Förderung von Schach in der Schule entstanden.

Generell lassen sich die verschiedenen Schulschachprogramme weltweit nur schwer vergleichen. Zu verschieden sind die Voraussetzungen und Ziele. Auch in der Schweiz werden unterschiedliche Ansätze gewählt. In den Kinderschachclubs der Schulschachprofis unterrichten beispielsweise Schachtrainer, während dem in manchen Schulen die Primarlehrer einen Schachkurs leiten. Die Vor- und Nachteile dieser beiden Formen werden wir im Blogbeitrag «Anforderungen an die Lehrperson» besprechen.

Wir hoffen, mit dieser Artikelserie den Einstieg für Lehrer und Schulen bezüglich Schach zu erleichtern. Dabei versuchen wir stets objektiv zu bleiben und würden uns über ein Feedback freuen. Wir sind uns bewusst, dass es neben dem Schachspiel viele andere Dinge gibt, welche die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern fördern.

Das Schachspiel unterscheidet sich aber wesentlich von anderen Sportarten wie Tennis oder Fussball. Während dem fast jeder Sport das Selbstvertrauen anheben kann, ist Schach eine der Wenigen, welche gleichzeitig die geistigen Fähigkeiten umfassend trainiert. Zudem dürfte die Kombination aus spielerischen Elementen, unzähligen Möglichkeiten und Wettkampfcharakter einzigartig sein.

Den Schluss dieses Einleitungsbeitrages soll der 13. Schachweltmeister Garri Kasparov machen:

«If you think it’s just a game, than you’re not playing it right!»

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