Mehrere hundert Millionen Menschen spielen auf der ganzen Welt Schach. Doch wer hat das Spiel der Könige erfunden? Um die Entstehungsgeschichte Schachspiel ragen sich viele Legenden und Mythen. Nüchtern betrachtet, dürften seine Wurzeln in Indien liegen.

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    Ich sitze in einem Café und warte auf meinen Cappuccino. In Sichtweite spielen zwei Studenten eine Partie Schach. Sagt plötzlich der eine: «Der Erfinder des Schachspiels war ein Genie!». Sein Gegenüber nickt, zieht seine Dame optimistisch nach vorne und fügt an: «Hat bestimmt eine Menge Kohle damit gemacht!».

    Ich konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Es hörte sich an, als würden die beiden über Monopoly reden. Die Geschichte des Schachspiels lässt nach wie vor einige Fragen offen. Dennoch: Die überwiegende Mehrheit der Wissenschaftler glaubt, dass Schach in Indien entstanden ist.

    Grob geschätzt dürften seine Anfänge zwischen dem 3. und 6. Jahrhundert nach Christus liegen. Es war keine einzelne Person, die das Schachspiel erfunden hat. Auch wäre es falsch, von einem indischen Spiel zu sprechen. Schach ist eine globale Erfindung! Mehrere Kulturen haben es entscheidend beeinflusst.

    Indien: Tonfiguren und Ashtāpada

    Bei Ausgrabungen in Nordindien findet man seit den 1940er Jahren kleine Tonfiguren: bewaffnete Krieger, Elefanten, Pferde und Wagen. Kaum zu glauben, aber das sind keine Einzelstücke! Die 5 bis 15 cm grossen Tonfiguren wurden serienmässig hergestellt.

    Diese Figuren wurden um 450 n. Chr. mit dem längst gebräuchlichen Ashtāpada Spielbrett kombiniert. Das Ashtāpada Brett mit 64 Quadraten wurde damals für Rennspiele verwendet. Ähnlich wie bei «Eile mit Weile» musste man seine Figuren über einen Rundgang führen.

    Krishna und Radha spielen auf einem Ashtāpada Brett (Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Radha-Krishna_chess.jpg)

    Die Verbindung des Ashtāpada Brettes und den Tonfiguren dürfte aus der damaligen Kriegsbegeisterung entstanden sein - so die Theorie der Münchner Indologin Renate Syed. In seiner rudimentären Form war es eine Art Sandkastenspiel für Militärs. Sie nutzten es, um Schlachten nachzustellen. Daraus entwickelte sich ein Brettspiel, welches heute unter dem Namen «Chaturanga» bekannt ist.

    Chaturanga

    Chaturanga gilt als erster Vorläufer des heutigen Schachspiels. Der Name «Chaturanga» steht für «vier Elemente» und widerspiegelt die Divisionen des Militärs:

    1. Infanterie
    2. Kavallerie bzw. Reiter
    3. Kriegselefanten
    4. Streitwagen bzw. Schiffe

    Rückwirkend versucht man abzuleiten, welche Chaturanga Divisionen den heutigen Schachfiguren entsprechen. Das ist nicht bei allen Figuren eindeutig. Die Infanterie ist dem Bauern extrem ähnlich. Aus der Kavallerie dürften die Springer hervorgegangen sein. Bei den Streitwagen könnte es sich um die Türme handeln. Die Rajas kennen wir heute als Könige.

    Trotz all diesen Gemeinsamkeiten ist Chaturanga ein völlig anderes Brettspiel als Schach. Im damaligen Chaturanga wurde zum Beispiel das indische Kastensystem berücksichtigt. Zudem kämpfen da vier Spieler um Ruhm und Ehre, wobei es zwei Teams gibt. Jeder Spieler beginnt in einer Ecke:

    Ein modernes Chaturanga Spielset (Quelle: https://www.buxaina.com/es/juego-25/chaturanga)

    Bei Chaturanga durfte man nicht frei wählen, mit welchem Spielstein man zieht. Dazu nutzte man einen altindischen Würfel mit vier Seiten. Die Eins steht für Soldat respektive Elefant. Die zwei symbolisiert die Streitwagen. Wer eine Drei würfelt, zieht mit den Reitern. Bei einer Vier kommt der Raja zum Zug.

    Persien: Chatrang

    Die nächste Station in der Schachgeschichte heisst Persien. Es waren Händler oder Soldaten, die Chaturanga in den heutigen Iran brachten. Die Perser entwickelten das Spiel grundlegend weiter. Aus Chaturanga wurde Chatrang.

    Die Perser begannen, den Gegner zu warnen, wenn ein Shah bedroht war. Es ist das heutige Schachgebot. Viel entscheidender war allerdings, dass die Perser nur zu zweit spielten. Je zwei Feldheere (Rajas) vereinigten sich. Dabei wurde aus einem Raja der König (Shah).

    Der andere wurde zum Berater des Königs degradiert. Der sogenannte Wesir hatte natürlich weniger Rechte als ein Shah. Er durfte nur einen Schritt in schräger Richtung tun.

    Die persischen Herrscher liebten das Zweierschach. Dies verhalf Chatrang zu einem Ruhm, den es in Indien niemals hatte. Aus einem Spiel unter vielen wurde es in Persien zum königlichen Spiel.

    Arabien: Schatrandsch

    Die Perser waren neben den Römern seit Jahrhunderten die wichtigste Macht in dieser Region. Doch ab dem 7. Jahrhundert begannen die Araber ihr Territorium auszubreiten. Man leistete sich blutige Krieger mit dem Perserreich.

    Die persischen Soldaten dürften leicht in der Überzahl gewesen sein. Geholfen hat es aber nicht. 636 ging die Schlacht um Mesopotamien verloren. Auch 642 zogen die Perser den kürzeren. Diese Kriege führten nicht nur zu viel Leid, sondern auch zu einem kulturellen Austausch.

    Iranisches Schachset aus dem 12. Jahrhundert (Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Shatranj.jpg)

    Die siegreichen Muslimen nahmen Chatrang mit in ihre Heimat. Dort wurde es Schatrandsch genannt. In Arabien wurde das Brettspiel von den Gläubigen in Frage gestellt. Lenkt das Spiel von den religiösen Pflichten ab? Schatrandsch wurde geduldet, wenn:

    • nicht um Einsätze gespielt wurde.
    • das Spiel Gebete nicht verhinderte.
    • die Spieler nicht fluchten.
    • nicht auf öffentlichen Plätzen gespielt wurde.

    Bevor hier ein falscher Eindruck entsteht: Das Schachspiel wurde keineswegs nur von muslimischen Gläubigen hinterfragt. Bereits in Indien stellte sich die Frage, ob Chaturanga ein Glücksspiel sei. Ein Bischof aus Trier rief 1310 gar ein Schachverbot aus.

    Im Gegensatz zu wesentlichen Ländern ist das Schachspiel in manchen muslimischen Ländern heute noch immer umstritten. Die Taliban verfolgten in Afghanistan Leute, die Schach spielten. 2014 löste der saudische Mufti Abdul-Aziz Al ash-Sheik eine kontroverse Diskussion aus, als er das Schachspiel im TV für verboten erklärte.

    Spieltechnisch unterscheidet sich Schatrandsch nicht besonders stark von seinen beiden Vorläufern. Speziell war vor allem der Alfil/Elefant. Der Alfil sprang diagonal ins übernächste Feld. Er wurde später durch den wesentlich kraftvolleren Läufer ersetzt.

    Der Weg nach Europa

    Das Schachspiel gelangte auf verschiedene Wege nach Europa. Vergleiche dazu die nachfolgende Karte. Einer der ersten Kontakte dürfte über das Oströmische Reich erfolgt sein. Sie beherrschten das begehrte Konstantinopel, wo es zu mehreren Kriegen mit den Arabern kam.

    Der wahrscheinliche Weg des Schachspiels

    Britische Forscher entdeckten in der byzantinischen Stadt Butrint im heutigen Albanien eine Schachfigur aus Elfenbein. Sie wurde auf das 6. Jahrhundert datiert. In dieser Zeit zerfiel das weströmische Kaiserreich und es kam in den Wirren zu grossen Völkerwanderungen.

    Die islamische Expansion dehnte sich im 7. Jahrhundert über ganz Nordafrika aus. 711 stand eine muslimsche Armee vor den Toren Gibraltars. Orient und Okzident standen sich keineswegs ständig unter Waffen gegenüber. Der rege kulturellen Austausch mit den Mauren etablierte das Schachspiel in Spanien.

    Somit verbreitete sich das Schachspiel von mindestens zwei Richtungen aus in Europa. Von Spanien zog es nach Italien und Frankreich. In Frankreich ist es spätestens seit 760 populär. In der Schweiz sollen Mönche noch vor dem 10. Jahrhundert Schach gespielt haben. Schon kurze Zeit später finden sich erste Hinweise für Skandinavien oder Isle of Lewis.

    Kaum zu glauben: In dieser Zeit entwickelte sich Schach zu einem Liebesspiel. Grund dafür war die mittelalterliche Praxis, dass unverheiratete Frauen stets von Anstandsdamen begleitet wurden. Seltsamerweise war es aber erlaubt, eine Frau in ihrem Zimmer zu besuchen, um dort Schach zu spielen. Schach war bei unverheirateten Pärchen dentsprechend beliebt.

    Uneinigkeit in Europa

    Bereits im letzten Abschnitt habe ich vom «Schachspiel» gesprochen. Allerdings war das noch immer nicht das Spiel, wie wir es heute kennen. Erst nach und nach entwickelte sich aus dem Schatrandsch das moderne Schach.

    Es war damals wie heute mit EU. Jedes Land bzw. Königreich hatte seine eigenen Gesetze und Regeln. Wenn sich zwei Spieler aus unterschiedlichen Regionen ans Brett setzten, mussten sie sich zuerst auf einheitliche Regeln einigen.

    Es waren vor allem die Spanier und Italiener, die neue Gangarten ausprobierten. In Italien konnte z.B. der König in seinem ersten Zug über andere Spielsteine hüpfen. In Deutschland durften die Bauern im ersten Zug einen Doppelschritt ausführen. Die Briten kannten zwei verschiedene Anfangsstellungen.

    Mit dem Alfil bzw. Elefanten aus dem arabischen Schach konnten die Europäer nicht viel anfangen. Die Franzosen machten aus ihm einen Narren, die Italiener einen Fahnenträger und die Briten einen Bischoff. Auf Deutsch sprechen wir von einem Läufer.

    Die Reformation eines lahmen Spiels

    Die Europäer mochten das Spiel, aber sie waren nicht restlos zufrieden. Es fühlte sich langsam und schwerfällig an. Man wollte mehr Action! Die Spanier experimentierten mit einem Würfel, der bestimmte, mit welcher Figur man ziehen musste. Dabei hatten sie natürlich keine Ahnung vom Chaturanga mit seinem altindischen Würfel.

    Die Tüfteleien fruchteten in einigen Veränderungen. Das schwarz-weiss karierte Brett wurde zum Standard. Der Läufer bekam seine heutigen Zugrechte und das «en passant» wurde eingeführt. Aber nichts änderte das Spielgeschehen so stark, wie die Aufwertung der Dame.

    Sie entstand zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert aus den arabischen Wesiren. Von nun an konnte sie beliebig viele Felder in alle Richtung ziehen. Aus den Kriegen in Zeitluppen wurden schnelle Gefechte. Die neuen Zugmöglichkeiten erlaubten auf einmal kombinatorische Feuerwerke.

    In dieser Phase gab es zum ersten Mal eine Nachfrage für Schachbücher. Einige Eröffnungstheoretiker versuchten das Spiel wissenschaftlich zu entschlüsseln. Natürlich war das im Vergleich zu heute noch alles sehr rudimentär.

    Das Aufkommen der Schachcafés

    Ab dem 18. und 19. Jahrhundert brach für das Schachspiel eine neue Zeit an. Es änderten sich nicht mehr die Regeln, sondern die Spieler. Die industrielle Revolution etablierte eine neue Mittelschicht, welche sich regelrecht in das Spiel der Könige verliebte.

    Das führte zu Schachklubs und Schachcafés in ganz Europa. Von London bis Lissabon und von Mailand bis Moskau. Schach verbreitete sich wie ein Virus. In Schachcafés traf man Gleichgesinnte. Man konnte dort die Schachregeln lernen und fand Spielpartner auf demselben Niveau.

    Café de la Régence 1858 anlässlich des Blind-Simultan von Paul Morphy (Quelle: https://www.schach-chess.com/Schachgeschichte/cafe-regence.htm)

    Dabei ragte das «Café de la Régence» in Paris heraus. In der Nähe des Louvres trafen sich Persönlichkeiten wie Voltaire oder Rousseau. Selbst Napoleon liess sich dort blicken. Die Sozialisten Marx und Engels sollen sich in diesem Schachcafé zum ersten Mal begegnet sein.

    Die rege Schachszene in Paris hatte auch Einfluss auf die Vormachtstellung im Spitzenschach. Internationale Turniere gab es noch keine, aber die Italiener galten als das Mass aller Dinge. Bis der legendäre Franzose Philidors sich zum weltbesten Spieler mauserte. Er war regelmässig Gast im «Café de la Régence».

    Voltaire war ein schlechter Verlierer. Ein Schachmatt soll bei ihm mehrmals einen Wutausbruch verursacht haben. Rousseau klagte in seinem Buch «Confessions» mehrmals über Frustrationen, weil er das Schachspiel einfach nicht befriedigend meistern konnte.

    1809 wurde die Schachgesellschaft Zürich gegründet. Es ist der älteste noch existierende Schachverein der Welt! Zum Vergleich: Der älteste Fussballverein ist der FC Sheffield. Er wurde 1857 gegründet...

    Ab 1813 erschien im Liverpool Mercury die erste Schachspalte (Quelle: https://twitter.com/olimpiuurcan)

    Ab 1830 fanden die ersten internationalen Wettkämpfe statt. Primär duellierten sich damals die Franzosen mit den Engländern. Im Zuge dieser Vergleiche investierten die Spieler auf beiden Seiten vermehrt Zeit in die Analyse und studierten Eröffnungsvarianten. Der Weg für das Turnierschach geebnet.

    Das Staunton Design

    Die letzte wichtige Änderung beim Schach betraf wieder die Figuren. Längst hatte man sich auf einheitliche Zug- und Schlagmöglichkeiten geeinigt. Optisch bestand aber ein grosser Nachholbedarf. Bis anhin liessen sich die Spielsteine nur an der Höhe konsistent auseinanderhalten.

    Ein Standard musste her. In der Mitte des 19. Jahrhunderts löste der Spielehersteller John Jaques & Son dieses Problem. Er führte das Staunton-Design ein. Heute ist es aus dem Turnierschach nicht mehr wegzudenken. Aber wer hat es erfunden?

    Das ist nicht zweifelsfrei geklärt. Sicher ist, dass es nicht der Schachmeister Howard Staunton war. Das Design wurde nur aus Marketinggründen nach ihm benannt. Es dürfte auch nicht der Firmeninhaber John Jaques gewesen sein, sondern sein Mitarbeiter Nathaniel Cook.

    Gemacht für die Ewigkeit: Stauntonform

    Wahrlich eine Meisterleistung! Das Staunton-Design ist die perfekte Balance aus Eleganz und praktischem Nutzen. Es spielt keine Rolle, ob der Franzose an den «Fou» der Engländer an den «Bishop» oder wir an den «Läufer» denken. Alle Formen lassen sich blitzschnell erkennen und unterscheiden.

    Neben dem überragenden Design lässt sich der Erfolg des Staunton-Designs auch wirtschaftlich erklären. Dank modernen Drechselmaschinen konnten sie massenweise hergestellt werden. Das senkte den Preis und dadurch konnten sich immer mehr Menschen Holzfiguren leisten.

    Schachfiguren im Bundesform-Design (Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesform_Figuren.jpg)

    Sammler wissen nur zu gut, dass es neben dem Staunton-Design dutzende Weitere gab. Ein Beispiel dafür ist die Bundesform aus Deutschland. Diese historischen Figurensätze wurden weitgehend verdrängt. Wer sich dafür interessiert, sollte unbedingt das Schweizer Schachmuseum in Kriens besuchen.

    Die Originalzeichnungen und Muster der Stauntonform sind leider nicht mehr vorhanden. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Werk «Jaques of London» von der deutschen Luftwaffe bombardiert. Im dadurch hervorgerufenen Brand gingen alle Unterlagen in Schutt und Asche auf.

    Die Ära des Turnierschachs

    Mit dem Einzug der Stauntonfigur etablierten sich auch internationale Schachturniere. 1867 wurde erstmals mit mechanischen Schachuhren gespielt. Die erste Schachweltmeisterschaft fiel 1886 zugunsten des Österreichers Wilhelm Steinitz aus.

    1914 verlieh Zar Nikolaus II anlässlich des St. Petersburger Turniers zum ersten Mal den Grossmeistertitel. Die Legenden Lasker, Capablanca, Tarrasch, Aljechin und Marshall wurden damals ausgezeichnet. Zehn Jahre später wurde der Weltschachverband FIDE gegründet.

    Seither erlebte das Turnierschach viele Hochs und Tiefs. Über ca. sieben Jahrzehnte dominierten die Russen bzw. Sowjetunion das Geschehen nach belieben. Besonders prägend war allerdings das Match des Jahrhunderts. Als der Amerikaner Bobby Fischer den sowjetischen Titelverteidiger Boris Spassky vernichtend schlug.

    Heute ist Schach in vielen Ländern als Sport anerkannt. Es gibt mehrere hundert Profis. Davon werden aber nur ganz wenige reich. Seit der Jahrtausendwende überflügeln die besten Computer die besten Menschen. Vor Kurzem schockte das Google Projekt «Alpha Zero» die Schachwelt.

    Dieser künstlichen Intelligenz wurden nur die Spielregeln einverleibt. Anschliessend «trainierte» sich die Software selber, indem es gegen sich selbst spielte. Innert vier Stunden erreichte «Alpha Zero» ein höheres Spielniveau, als je ein Mensch zuvor.

    Und was ist mit Chaturanga und Xiangqi?

    Vielleicht fragst du dich, was aus Chaturanga geworden ist. Das Mutterland des Schachs hat längst die «finale» europäische Version übernommen. Viswanathan Anand wurde zum 15. Schachweltmeister. Der Tiger von Madras löste damit eine riesen Schacheuphorie aus.

    Auch in Arabien oder im ehemaligen Persien sind die lokalen Schachvarianten weitgehend verschwunden. In Ostasien präsentiert sich die Lage allerdings etwas anders. In Japan ist Shogi äusserst beliebt. Genauso wie in China Xiangqi oder in Thailand Makruk.

    Xiangqi

    Zum Schluss noch ein paar Worte zur Theorie, dass Schach in China erfunden wurde. Ich halte das für unwahrscheinlich. Die Geschichte von Xiangqi selbst ist sehr unklar. Schon alleine die Interpretation des Namens sorgt für mächtig Diskussionsstoff. Gemeinhin wird es mit «Elefanten Spiel» übersetzt.

    Der aufmerksame Leser wird bestimmt den Bezug zu Chaturanga herstellen können. Die Regeln werden erstmals in Büchern von der Tang-Dynastie. Sie war zwischen 618 und 907 an der Macht. Dies würde ebenfalls mit der Theorie zusammenpassen, dass Xiangqi aus Chaturanga entstanden ist.

    Was spricht dagegen? Es gibt immer wieder Forscher, die Xiangqi vor die christliche Jahreszählung datieren. Dafür gibt es, meines Wissens, keine konkreten Beweise. Dennoch gibt es für diese Ansicht, eine plausible Erklärung.

    Xianqgi Brettspiel

    Xiangqi könnte sich auch aus dem uralten chinesischen Brettspiel «Liubo» entwickelt haben. Dieses war zwischen 1500 v. Chr. bis 600 n. Chr. populär. Demnach würde es sich bei Xiangqi und Chaturanga um zwei unabhängige Brettspiele handeln.

    Die Ähnlichkeiten würden sich dadurch erklären, dass es zwischen die beiden Ländern einen regen Kulturaustausch betrieben. So könnten sich die Spiele gegenseitig beeinflusst haben.

    Fazit

    Die Geschichte des Schachspiels ist nicht restlos geklärt. Das Spiel der Könige dürfte ca. 1500 Jahre alt sein. Es spricht sehr vieles dafür, dass sein Ursprung im indischen Spiel Chaturanga zu finden ist. Klar ist, dass Schach eine Schöpfung vieler Völker ist. Die endgültige Form mit den «modernen» Spielregeln ist zweifelsfrei in Europa entstanden.

     

    Quellen:

    schach-chess.com

    wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Schachspiels

    ancientchess.com

    history.chess.free.fr

    humboldtgesellschaft.de

    schulmodell.eu

    A World of Chess: Its Development and Variations Through Centuries and Civilizations, Jean-Louis Cazaux, Rick Knowlton

    It's All a Game: The History of Board Games from Monopoly to Settlers of Catan, Tristan Donovan