Da sich die Materialzentrale des schweizerischen Schachbundes bei uns zu Hause befindet, kommen immer wieder Turnierorganisatoren vorbei und mieten Schachmaterial. Dabei werde ich oft gefragt, ob ich nicht auch Lust hätte an ihrem Turnier teilzunehmen. Ehrlich gesagt konnte ich diese Frage noch fast nie mit einem „ja“ beantworten. Dafür gibt es zwei Hauptgründe: beschränkte Zeit und das Turnier ist nicht attraktiv. Viele Turnierorganisatoren wirken auf mich etwas hilflos, deshalb versuche ich mal meine Gedanken aufzuschreiben wie man ein tolles Schachturnier durchführt.

Meistens ist die Anzahl Helfer beschränkt und deshalb dürften einige meiner Hinweise völlig übertrieben sein, aber ich möchte einen Eindruck geben, was andere Turniere anbieten und was mir als Spieler wichtig ist.

Lokalitäten
Für mich ein absolutes Killerkriterium. Viele Schachspieler nutzen die öffentlichen Verkehrsmittel. Ein Turnier, das mich zwingt viermal den Zug oder Bus zu wechseln, werde ich kaum besuchen. Zudem sollte das Lokal nicht weit von der nächsten Busstation oder vom Bahnhof entfernt sein.
Alleine mit der geografischen Lage ist es noch nicht getan. In einem Internetforum nannten viele „genügend Platz am Brett“ als einen der wichtigsten Punkte für ein Schachturnier überhaupt. Bei einem Schnellschachturnier habe ich keine Probleme, wenn es etwas enger ist. Es sei denn, ein Spieler neben mir drückt dauernd die falsche Uhr :-). Ich nerve mich aber vor jeder Langzeitpartie, wenn ich mein 5dl Getränk nicht mal auf den Tisch stellen kann, geschweige denn beim Aufschreiben irgendwelche akrobatischen Übungen durchführen muss.
Ein exzellentes Beispiel aus der Schweiz für ein tolles Lokal ist das Schachfestival Biel. Biel erreicht man von vielen Orten aus recht schnell, das Spiellokal ist nahe am Bahnhof, gekühlt und die Luft ist frisch.

Spielmaterial
Die meisten Schachspieler bevorzugen schöne Holzfiguren und Holzbretter. Ich habe auch schon Spieler erlebt, die deswegen sogar ihr eigenes Schachset ans Turnier nahmen. Mir persönlich ist das nicht so wichtig, allerdings ziehe ich heutzutage schon Digitaluhren den Analogen vor. Ehrlich gesagt nutze ich aber lieber einheitliche Plastikfiguren, als irgendein Gemisch aus Plastik- und Holzfiguren oder Springer die auseinanderfliegen, wenn ich sie anhebe.

Verpflegung
Bei Opens ist die Verpflegung für mich wichtig. Idealerweise wird dies vom Veranstalter selbst gemacht. Ich denke, wenn man Getränke, Kuchen, Sandwiches, Schokoriegel usw. zu einem angemessenen Preis anbietet, kann man dabei eine schöne Einnahmequelle generieren. Dieses Konzept funktioniert vor allem, wenn man einen Analyseraum in der Nähe hat.
Dies wurde früher an der Winterthurer Schachwoche toll umgesetzt, da man damals sogar selber leckere Menus kochte.

Preise
Wie höher das Preisgeld ist, desto mehr starke Spieler kommen an ein Turnier. Nach meinen Erfahrungen ist es aber den meisten Hobbyspielern egal ob 5 oder 15 Grossmeister an einem Turnier teilnehmen. Wichtiger sind z.B. Ratingpreise. Ein interessantes Konzept verfolgt der SK Bümpliz bei seinem Schnellschachturnier (zumindest war es früher so). Man verloste an der Rangverkündigung schöne Naturalpreise. Dies hat zur Folge, dass gewisse Spieler trotz schlechtem Spiel glücklich nach Hause gehen und es bleiben auch deutlich mehr Teilnehmer bis zum Schluss.

Nach dem Turnier ist vor dem Turnier
Nun kommt mein wichtigster Punkt. Viele Organisatoren investieren viel Zeit und leisten grossartiges – aber niemand erfährt es! Eine Webseite ist heutzutage absolute Pflicht. (mit einer eigenen .ch-Domain) Dazu gehört eine übersichtliche Turnierauschreibung (sollte auch als PDF downloadbar sein). Die bereits angemeldeten Spieler müssen schnell ersichtlich sein. Das grösste Open in Deizisau veröffentlicht z.B. jeweils vor dem Turnier nur die teilnehmenden Titelträger. Das finde ich totalen Quatsch! Ich möchte doch sehen, welche meiner Schachkumpels dort mitspielen, egal ob er/sie Meisterspieler ist oder nicht. Die Rangliste vom letzten Jahr sollte ebenfalls prominent platziert werden. Selbstverständlich braucht es auch noch weitere Informationen wie Anfahrt, Übernachtungsmöglichkeiten usw. Ich verschaffe mir übrigens gerne einen Überblick mit Fotos. Manchmal kann ich nur den Kopf schütteln, wenn ich genau weiss, dass ein Organisator mich mit seiner professionellen Kamera ins Visier genommen hat, aber anschliessend nirgends die Fotos veröffentlicht. Am Böblinger-Open durfte/musste ich z.B. extra ein Siegerfoto vor der Rangverkündigung machen. Der Fotograf gab sich richtig Mühe und schoss einige nette Bilder. Bis heute konnte ich keines diese Fotos auf der Webseite finden. Zudem sollten Bilder durchmischt sein: starke Spieler, Junioren, Senioren, Damen usw. Wenn man einen Verpflegungstand anbietet, würde ich den bestimmt mit Fotos dokumentieren oder wenn es einen Bücherstand gibt.

Kürzlich bin ich auf einen Trailer gestossen für ein Schachturnier! Ja ich konnte es auch kaum glauben, aber das gibt es wirklich:

Ich fand das Klasse und bestimmt viele andere junge Leute auch.

Ebenfalls gefällt mir z.B. die Idee vom holländischen Spitzenturnier in Wijk an Zee. Dort gibt es eine Videorubrik „en passant“. Die Spieler werden von einer charmanten Frauenstimme kurz über die Partie befragt und manchmal gibt es wirklich lustige Aussagen, die sich auf sozialen Netzwerken wie Facebook sofort zu einem Hit entwickeln:

Auf Facebook aktiv zu sein, kann sich übrigens auch sehr auszahlen. Unzählige Schachspieler sind dort aktiv und warten nur auf Fotos oder interessante Links. Am besten wird dies zurzeit vom Schachfestival Biel umgesetzt. Die Bieler haben auf ihrer Seite bereits 2071 „gefällt mir“ Angaben.

Der SF Pelikan demonstriert übrigens eindrüklich wie man ein schönes Video über sein Turnier gestalten könnte:

Videos zu produzieren sprengt wohl die Möglichkeiten von fast allen Organisatoren in der Schweiz, aber wie wäre es mit einem netten Schlussbericht mit Bildern und einigen lustigen Anekdoten oder Zitaten?

Chesspoint als Partner
Wir bieten seit anfangs Jahr die Möglichkeit, Berichte zu Ihrem eigenen Turnier auf unserem Blog zu veröffentlichen. Wenn man einen Bericht zusagt, darf man auch vor dem Event bereits einen kleinen Werbebeitrag setzen. Der Bericht muss aber zwingend unique sein und sie sollten den Artikel von der Turnierseite aus verlinken. Das heisst wir wollen einen Text, der nicht auf anderen Webseiten zu finden ist. Wir möchten unseren Lesern immer etwas Einzigartiges bieten und verzichten deshalb z.B. auf das reine veröffentlichen einer Rangliste! Ich habe vor kurzem einen Bericht zum Böblinger Open verfasst, welcher bereits über 150 gelesen wurde! Die Zahlen steigen übrigens von Beitrag zu Beitrag an.