An Weihnachten gibt es immer viele Schachturniere. Es stellt sich deshalb jedes Jahr die Frage, wo man teilnehmen soll. Dieses Jahr habe ich mich für das Böblinger-Open in Deutschland entschieden, obwohl das Zürcher Weihnachtsopen so stark besetzt war wie noch nie zuvor. Die beiden Turniere finden beide jeweils vom 26.-30. Dezember statt. In Böblingen werden allerdings neun Runden gespielt, was Vor- aber auch Nachteile hat. Wenn man gut in Form ist kann man diese schön ausnützen, läuft es aber nicht wie gewünscht, sind neun Runden in fünf Tagen allerdings nicht so toll für die Moral. Das Open ist in drei Kategorien aufgeteilt, somit bekommt jeder schlagbare Gegner.

Das Böblinger-Open lässt sich am ehesten mit der Winterthurer Schachwoche vergleichen. Der SC Böblingen, für den ich übrigens in der 2. Bundesliga Süd spiele, mietete das ganze Hotel Mercure für die fünf Tage. Somit waren alle Spieler im selben Hotel untergebracht. Viele ehrenamtliche Helfer waren für die Küche und die Bar zuständig. Durch die vier Doppelrunden hatte man nicht viel Zeit deshalb, assen die meisten Spieler gleich dort und somit kommt eine familiäre Stimmung auf. Möchte man sich zurückziehen, kann man einfach ins Hotelzimmer gehen. Für mich ist das eine ideale Voraussetzung, um 9 Runden in fünf Tagen durchzuführen. Im Gegensatz zum Neckar-Open in Deizisau (findet über Ostern statt) kann man sich problemlos eine knappe Stunde auf die Nachmittagspartie vorbereiten.

Mit sechs Grossmeistern und sieben internationalen Meistern war das A-Open doch ganz ordentlich besetzt. Darunter waren mit Dennis Wagner und Matthias Blübaum auch zwei der grössten Nachwuchshoffnungen des deutschen Schachs. Angeführt wurde die Liste von den GMs Burmakin, Milov und Gavrilov. Die meisten Grossmeister zeigten allerdings Nerven und so kam nur Milov in die Top fünf.
Ich spielte ein tolles Turnier und wurde schlussendlich vierter, allerdings hatte ich dieselbe Punktzahl wie der Sieger Dennis Wagner. Der Schachprinz hat mich in der vierten Runde geschlagen, wies am Schluss die höchste Performance auf und war somit verdienter Turniersieger. Platz zwei ging an IM Oswald Gschnitzer, gegen den ich in der letzten Runde Remis gespielt habe. Mit einem Sieg hätte ich gar das Turnier gewonnen, aber nach meinem Bauernopfer in der Eröffnung hat sich Gschnitzer gut verteidigt und die Partie war immer relativ ausgeglichen. Platz drei ging an GM Leonid Milov, der sich mit einem Schlussrundensieg noch an mir vorbeigeschoben hatte. Meine Performance lag über den nötigen 2450 für eine IM-Norm, aber ich hatte leider einen Titelträger zu wenig als Gegner. Besonders ärgerlich, wenn ich sehe, dass zwei meiner Gegner eigentlich die 2300 schon hatten und somit Fide-Meister sein könnten.

Auch Benedict Hasenohr (zweiter Schweizer) glänzte mit einem Topresultat und punktete z.B. gegen die GMs Vladmir Burmakin und Michael Hoffmann. Am Ende reichte es für Platz elf.
Alles in allem kann ich das Böblinger-Open als Alternative zum Zürcher Weinachtsopen sehr empfehlen. Wer Lust auf viel Schach in wenig Tagen hat, liegt mit diesem Turnier genau richtig!

Rangliste A-Open