Karlchen Ludens schrieb einen Aufsatz über das Thema:

"Welches ist das schönste Spiel?”

Das schönste Spiel ist das Schachspiel, darum wird es immer wieder gespielt, und zwar schon sehr lange. Es ist so alt, dass man garnicht recht weiss, wie alt es ist. Wahrscheinlich ist es noch viel älter. Ich hab es von meinem Papa gelernt, der ist Klubmeister bei die Gambitfreunde.

Am Klubabend darf ich nicht mit, da spielen sie ins Bartmanns, aber am Sonntag, nach dem Sportplatz gehe ich mit meinem Papa ins Kaffee Müller. Da ist es lustig. Er sagt, bei Kaffeehauspartien kann er besser opfern und es koscht ja nix, wenn er verliert. Er verliert aber sowieso nicht. Man muss nur schauen, dass man möglichst viele Figuren grabscht.

Jeder Spieler hat 16 Steine, wo aber aus Holz sind. Der, wo schwarze Figuren hat, heisst der Schwarze und der, wo gelbe hat, heisst Weisser. Die werden auf den schwarz-weissen Feldern hin und hergezogen, wo aber im Klub braun und weiss sind. Es ist dort überhaupt alles anders, weil das Brett ein Waxtuch ist.

Wenn Halbzeit ist, dann hat einer meistens schon die Dame verloren. Das kommt vom Fingerfehler. Er braucht aber nicht zu verlieren, weil er vielleicht noch eine Gabel geben kann oder ein Quetschmatt, wenn der andere kein Luftloch hat. Jeder darf immer nur einen Zug machen, aber einmal auch zwei zusammen. Dann muss der andere sagen: “Was, der Kerl röchelt noch?”

Wenn sie aber Turnier spielen, dann dürfen sie gar nichts sagen, blos zum Schluss, da sagt der Verlierer: “Die Partie war für mich gewonnen, ich hab’ viel besser gestanden.” Und dann wirft er die Figuren um, wenn er dem Gegner nicht die Hand geben will. Ich habs auch mal so gemacht, da hat mir mein Vater eine runter gehaut und gesagt, dass ein Sportler Fairnis zeigt.

Im Kaffee darf man sprechen und den Gegner uzen. Man kann z. B. sagen: Warum spielst du eigentlich Schach, wenn dus garnicht kannst? Oder: Armer Mensch, wo geht jetzt deine Alte hin? Man muss viele Schachsprüche kennen! Manchmal kann man den Gegner damit teuschen, wenn man schlecht steht, sagt man: Ich bite remis an! Wenn man gut steht, soll man sagen: Jetzt müsste man schachspielen können!

Mein Papa kann auch ohne Sprüche gewinnen, weil er Meister ist. Im Club nennen sie ihn den kleinen Morfi!!

Meine Mutter kann das Spiel nicht leiden. Früher hat sie immer furchtbar geschimpft, wenn Papa eine gute Anneliese gehabt hat. Jetzt sagt sie nichts mehr, wenn wir zwei anneliesieren. Was will sie machen wenn es Zeit ist, dass die Fernpartie fortgeschickt wird, weil sie in Amerika und Australien schon drauf warten? Ich habe schon viele Ausländerbriefmarken!! Mein Freund Karl ist arg neidisch drauf. Er soll halt seinen Vater auch das Schachspiel lernen, dann kriegt er auch Briefmarken.

Mein Papa studiert das Schach-Echo, wo schlaue Triggs drinstehen. Auch kann er es garnit erwarten, bis samstags die Zeitung kommt, wegen der Probleme. Dann schimpft die Mutti immer, weil das Klo solange zugeschlossen ist. Wenn Papa herauskommt, hat er immer ein Problem gelöst! Er sagt dann: Da wird sich der Problemonkel wieder wundern, wenn die Drohungen nicht alle aufgeschrieben werden.

Gestern habe ich meinen Freund pfundig mattgesetzt mit einem Springer, wo auch die Dame und einen Turm und einen Bauern hätt schlagen können. Das ist das Familienschach und ein schrecklich giftiger Zug. Mein Papa will ietzt eine Stellung bauen, wo der Zug noch schrecklicher wird!! Das bringt der fertig!!

Ja, so schön ist das Schachspiel!!
Karlchen Ludens