Schachuhren haben das Turnierschach revolutioniert. Dieser Leitfaden beschreibt, wer sie braucht und wie sie funktionieren. Erfahren Sie ausserdem, worin sich mechanische von elektronischen Schachuhren unterscheiden.

Die Schachuhr ist einer der Hauptgründe, weshalb wir in der Schweiz vom Schachsport sprechen dürfen. Die Zeitkomponente stellt bei Turnierveranstaltungen einen wesentlichen Faktor dar und kitzelt in hektischen Situationen die Nerven. Heute kaum mehr vorstellbar, dauerten früher manche Schachbegegnungen mehrere Tage.

Dieser Blogbeitrag dreht sich allerdings nicht um geschichtliche Details. Vielmehr ist es ein Ratgeber für die Anschaffung einer Schachuhr und behandelt folgende Themen:

  • Brauche ich eine Schachuhr?
  • Wie funktioniert eine Schachuhr?
  • Welches Modell passt zu mir?
  • Schachuhr verschenken

Der Leitfaden richtet sich an Schachliebhaber. Für Vereine empfehlen wir den Artikel «[link blog="147" title="Lang lebe die digitale Schachuhr"]». Im Folgenden erläutern wir, was es bei der Anschaffung zu beachten gilt. Für den ungeduldigen Leser sei schon an dieser Stelle angemerkt, dass Schachklubs heutzutage allesamt auf elektronische Uhren setzen. Dem privaten Schachfreund stehen hingegen auch analoge Modelle offen.

Brauche ich eine Schachuhr?

Eine Schachuhr ist für das Spielen von Partien nicht zwingend nötig. Dennoch besitzen die meisten Schachspieler eine Solche, um die Bedenkzeit zu begrenzen. Kinder, die kurz vor dem [link blog="120" title="Matt"] stehen, weigern sich manchmal, einen Zug auszuführen. Sie glauben, sie könnten die Niederlage auf diese Weise verhindern. Die Schachuhr verunmöglicht diese (unsportliche) Strategie.

Das Prinzip einer Schachuhr lässt sich mit dem «auf Zeit spielen» im Fussball vergleichen. Führt ein Kicker eine Standardsituation zu gemächlich aus, bestraft ihn der Schiedsrichter mit der Gelben Karte. Im Schachsport kennen wir keine halben Sachen und so verliert man bei Zeitüberschreitung! In wenigen Ausnahmesituationen endet die Partie [link blog="121" title="Remis"]. Wir verzichten an dieser Stelle auf Detailregeln und verweisen bei Fragen auf die Kommentarfunktion am Ende des Beitrages.

Bei Freundschaftspartien steht ohnehin der Spass im Vordergrund. Die zwei Spieler sind sich jedoch oftmals nicht einig, wie viel Zeit man sich für einen Spielzug nehmen darf. Manchmal führt das zu kecken Sprüchen:

«Machst du deinen Zug heute noch oder soll ich morgen wieder vorbeikommen?»

Vielleicht erkennen Sie sich mit Ihrem Spielpartner wieder, ist es doch einer der Hauptgründe für die Anschaffung einer Schachuhr. Für die kleinen Ungereimtheiten gibt es keinen Schuldigen. Vielmehr repräsentieren sie verschiedene Denkweisen. Selbst manche Profispieler vertrauen verstärkt auf ihre Intuition, um mit schnellen Zügen den Gegner unter Zeitdruck zu setzen. Wissenschaftliche Spielertypen suchen hingegen DIE beste Fortsetzung und lassen sich eine Menge Zeit.

Eine Schachuhr hilft ausserdem fixe Termine einzuhalten. Angenommen Ihr Schachfreund besucht Sie für einen gemütlichen Schachabend. Nach einigen Schlagabtäuschen bemerken Sie, dass der Gast den letzten Bus in 40 Minuten erwischen muss. Mit einer Schachuhr stellen Sie nun einfach je 15 Minuten für das Abschlussspiel ein. So geniessen Sie das Spiel der Könige bis zum Ende in vollen Zügen.

Wie funktioniert eine Schachuhr?

Eine Schachuhr besteht aus zwei Zeitanzeigen. Beide Uhrwerke sind miteinander verbunden, wobei jeweils nur eines im Gange ist. Jeder Spieler verfügt also über eine eigene Bedenkzeit, die er beliebig einteilen darf. Eine einfache Uhr, wie es beispielsweise im Fussball mit 90 Minuten geregelt ist, wäre nicht zielführend. In diesem Fall könnte ein Spieler die ganze Zeit für sich in Anspruch nehmen.

Im Turnierschach unterscheidet man zwischen Langzeit-, Schnell- und Blitzschach. Beim Blitzschach stehen beiden Spielern in der Regel fünf Minuten für die ganze Partie zur Verfügung. Dies ist sehr unterhaltsam und nicht selten entscheidet der Zeitfaktor über Sieg oder Niederlage. Beim gemütlichen Schachabend zu Hause ist meistens Schnellschach angesagt. Beide Spieler erhalten je 15, 20 oder 30 Minuten Bedenkzeit.

Die Schachuhr platzieren Sie auf der Seite des Schachbrettes. Sie besitzt an der Oberseite zwei Knöpfe bzw. Hebel. Indem ein Spieler nach dem Ausführen des Spielzuges auf «seinen» Knopf drückt, stoppt er das eigene Uhrwerk und bringt das Gegnerische zum Laufen. Mit dieser durchdachten Konstruktion wird sichergestellt, dass jeweils nur ein Uhrwerk zur selben Zeit tickt.

Obwohl die mechanischen Schachuhren im Turnierschach von den elektronischen Uhren verdrängt worden sind, ist die Funktionsweise ähnlich geblieben. Bei der analogen Schachuhr werden die Zeiger immer so eingestellt, dass die verfügbare Zeit eines Spielers um 6 Uhr endet. Bei der digitalen Schachuhr handelt sich um einen Countdown. Aber wann ist nun eine Schachpartie zu Ende? Hoffentlich, wenn Sie Ihren Gegner Schachmatt gesetzt haben! Sonst, wenn bei einem Spieler die Zeit abgelaufen ist oder ein Unentschieden vereinbart wurde.

Bei klassischen Schachuhren entscheidet das Fallblättchen, ob die Zeit überschritten wurde. Ab den letzten fünf Minuten wird es vom Minutenzeiger nach oben gedrückt. Fällt das Blättchen bei Punkt 6 Uhr runter, ist die Partie zu Ende. Die elektronische Uhr weist üblicherweise mit einer Flagge auf das Ende hin.

Welches Modell passt zu mir?

Wir empfehlen folgende Herangehensweise: Treffen Sie zuerst einen Grundsatzentscheid bezüglich mechanischer oder digitaler Schachuhr. Anschliessend wählen Sie ein spezifisches Modell nach Ihren Bedürfnissen und Budget aus.

Schachvereine setzen in Wettkämpfen fast nur noch elektronische Uhren ein. Einerseits werden sie aufgrund von Bedenkzeiten wie dem Fischer-Modus (siehe Infobox) beinahe dazu gezwungen. Andererseits überwiegen die Vorteile bezüglich Geräusche und Präzision gegenüber klassischen Schachuhren.

Aber was macht eine gute Schachuhr aus? Sie soll zuverlässig, präzise sowie leise sein und eine übersichtliche Zeitanzeige bieten. Eine gewisse Rutschfestigkeit reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass sie bei hitzigen Situationen vom Tisch fliegt. Ebenso wünschen Sie sich bestimmt eine einfache Bedienung, ausreichende Nutzungsmöglichkeiten und ein ansprechendes Design.

Die eine perfekte Schachuhr für Jedermann gibt es nicht. Wir von chesspoint.ch vertrauen auf die beiden etablierten Marken BHB und DGT. Bevor wir ein Modell in unser Sortiment aufnehmen, unterziehen wir es einem internen Praxistest. Weil einige durchfallen, bieten wir nicht alle Ausführungen von DGT bzw. BHB an. Trotzdem wählen Sie bei uns im grössten Schachuhren Angebot der Schweiz aus!

Vielleicht haben Sie beim Stöbern in den Kategorien [link category="13" title="Gartenschach"] oder [link category="32" title="Reiseschach"] festgestellt, dass wir Artikel aus China importieren. Bei Schachuhren verzichten wir jedoch bewusst auf Modelle, welche im Reich der Mitte entwickelt wurden. Trotzdem finden Sie bei uns Schachuhren mit «Herstellungsort» China. Warum das?

DGT lässt zwar in China produzieren, die eigentliche Entwicklung findet aber in den Niederlanden statt. So lassen sich DGT-Uhren nicht mit den günstigen aber minderwertigen Kopien vergleichen. Diese gehen bei intensiver Nutzung schnell kaputt oder funktionieren erst gar nicht. Mit den verlockenden Billigprodukten würden wir Sie nicht glücklich machen und somit entsprechen sie nicht unserer Firmenphilosophie!

Die Qual der Wahl

Private Schachliebhaber stehen im Gegensatz zu Vereinen vor der Qual der Wahl. Hobbyschachspieler greifen mittlerweile mehrheitlich zur Digitaluhr. Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, listen wir die jeweiligen Vorteile der beiden Varianten auf. Unsere Rückschlüsse beruhen auf zahlreichen persönlichen Beratungsgesprächen. Die wichtigsten Punkte erscheinen zuoberst:

Vorteile einer digitalen Schachuhr:

  1. Günstigstes Modell
  2. Viele Spielmöglichkeiten (modellabhängig)
  3. Präzise Zeitmessung
  4. Kein tickendes Geräusch

Vorteile einer mechanischen Schachuhr:

  1. Optisch stilvoller (Holzgehäuse & Ziffernblätter)
  2. Kinderleichte Bedienung
  3. Benötigt keine Batterien

Die präzise Zeitmessung ist insbesondere beim Blitzschach von Vorteil. Sollten Sie also auf den Nervenkitzel von quicklebendigen Schachpartien aus sein, empfehlen wir eine elektronische Schachuhr. Die Bedienung einer solchen Uhr ist übrigens auch keine Hexerei, erfordert aber etwas Eingewöhnungszeit. Ein wichtiges Anliegen zu analogen Schachuhren möchten wir noch loswerden:

Ziehen Sie das Uhrwerk einer mechanischen Schachuhr nicht zu stark auf. Die Uhr geht sonst kaputt!

Das ist der Hauptgrund für Rücksendungen von defekten Schachuhren. Wird das Uhrwerk überzogen, lässt sich die Schachuhr nur manchmal reparieren. Wenn die Uhr nicht mehr läuft, sollte sie nicht bis zum Anschlag aufgezogen werden. Ca. drei Umdrehungen reichen völlig aus. Um Missverständnisse zu vermeiden, empfehlen wir Ihnen das Youtube-Video oben. Dort zeigen wir, wie es korrekt gemacht wird.

Einige digitale Schachuhren wie die DGT 2010 haben vordefinierte Zeitbeschränkungen. Einschalten, Programm auswählen und sofort loslegen – das ist die Devise. Typischerweise befindet sich auf der ersten Speicherposition 5 vs. 5 Minuten. Eigene Bedenkzeiten wie zum Beispiel 13 vs. 13 Minuten sind ebenfalls möglich.

Die elektronischen Modelle (Ausnahme DGT 1001) beherrschen ausserdem den Fischer-Modus. Dabei handelt es sich um eine Idee des legendären Ex-Weltmeisters Bobby Fischer. Er schlug vor, dass ein Spieler für jeden Zug eine Bonuszeit erhalten soll. Bei Langzeitpartien sind das in der Regel 30 Sekunden. Wird die Uhr gedrückt, erhöht sich die Restbedenkzeit des Spielers automatisch um 30 Sekunden.

Die Zeit bleibt ein wesentliches Merkmal, aber Niederlagen in simplen Gewinnstellungen werden verhindert. Das Spiel Dame + König vs. König endet mit dem Fischer-Modus (bei geübten Spielern) immer zugunsten der Partei mit der Dame. Somit sorgt die Idee Fischers für gerechtere Resultate.

Schachuhr als Geschenk

Schachuhren sind beliebte Geschenke. Gerne unterstützen Gottis und Göttis das sinnvolle Hobby ihres Patenkindes. In dieser Situation liegen meistens nicht viele Informationen bezüglich Anwendungsbedürfnisse vor.

Wenn es sich um ein Kind handelt, sind Digitaluhren klar im Trend. Meistens nutzen Kinder bereits im Verein oder in der Schule Schachuhren. Idealerweise besorgen Sie dasselbe Modell. In Schachklubs ist die DGT 2010 mit Abstand am populärsten. Falls der Schachjunior an Turnieren, Mannschaftswettkämpfen oder Ähnlichem teilnimmt, wird er/sie diese Uhr zu 99% kennen.

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Für Neueinsteiger ist die wesentlich günstigere und kompaktere Schachuhr DGT 1001 ebenfalls zu empfehlen. Vereine können diese Schachuhr aufgrund des kleineren Funktionsumfanges nicht verwenden. Für Freundschaftspartien zu Hause oder in Schulen erledigt sie aber einen prima Job!

Insbesondere ältere Menschen legen manchmal Wert auf ein Holzgehäuse und bevorzugen auch aufgrund der Bedienbarkeit die analoge Schachuhr. Falls Sie eine klassische Schachuhr verschenken möchten, spielt die Wahl des spezifischen Modelles keine gravierende Rolle. Sie funktionieren alle gleich und unterscheiden sich hauptsächlich im Material des Gehäuses oder in der Art des Fallblättchens.

Fazit

Eine Schachuhr erhöht den Spielspass deutlich. Mittlerweile entscheidet sich die Mehrheit der Schachfreunde für eine elektronische Schachuhr. Die Modelle 1001 und 2010 von DGT sind besonders beliebt. Die Letztere hat sich als Standard in Schweizer Schachvereinen etabliert.

Haben Sie schon eine Uhr oder warten Sie noch auf den Zug Ihres Gegenübers? Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen mit Schachuhren mit und helfen Sie anderen bei der Wahl!